Gosberg Kriegszeiten

3.Kriegszeiten

3.1 Erster Marktkräflerkrieg (1450/51)
Im Jahre 1450 hatten die fränkischen Hohenzollern die Errichtung eines Herzogtums zum Ziel. Deshalb brach zwischen dem Fürstenbund, den der Markgraf Albrecht Achilles anführte, und dem Städtebund, der aus 27 schwäbischen und vier fränkischen Städten bestand, eine Fehde aus (Erster Markgräflerkrieg). Beim Kampf des Markgrafen Albrecht Achilles gegen Nürnberg war auch Forchheim gefährlich bedroht. Zahlreiche Dörfer im Umkreis wurden geplündert und niedergebrannt. In der Nürnberger Städtechronik zweiter Band sind die Ereignisse und Berichte des Kriegs von dem Nürnberger Hauptmann Erhard Schnürstab aufgezeichnet. Darin heißt es, daß zwischen Regensberg und Forchheim viele Dörfer abgebrannt worden sind. Namentlich werden Kersbach, Langensendelbach, Egloffstein, Effeltrich und Gräfenberg genannt. Das sind alles Ortschaften, die ganz in der Nähe Gosbergs liegen. Was mit Gosberg geschehen ist, ist uns nicht überliefert worden. Daß es von den plündernden Nürnbergern überfallen wurde, können wir nur vermuten.
Wie die Feindlichen Truppen in unsere Gegend hausten, erfahren wir aus dem Bericht des Nürnberger Hautpmanns:
"27. März 1450 ..... etlich unser trabanten chomen gen Bockstorff bei Vorchheim gelegen und brachten 68 küe, 40 swein und 30 pawernpfert. Auf denselben tag gingen etlich ander unser trabanten hie auß und namen ein raub vihs auf dem pirg zu Erhenbach und brachten wol 30 küe und 40 schaf."(4)
Die Nürnberger raubten den Bauern Kühe, Pferde, Schafe und Schweine, auch gefangene Bauern schleppten sie mit sich fort. Der Krieg ging 1451 zu Ende ohne daß der Markgraf Albrecht Achilles sein Unternehmen ausführen konnten, das vor allem am Widerstand Nürnbergs scheiterte.

3.2 Bauernkrieg (1524/25)
Der deutsche Bauernkrieg bpm 2524/25 war der Höhepunkt der Aufstände der Bauern in West- und Mitteleuropa seit dem 14. Jahrhundert. In wenigen Wochen breitete er sich vom Schwarzwald nach Tirol, Württenberg, Schwaben, Lothringen, Franken bis nach Thüringen aus. Die Herrschaftsansprüche der weltlichen und geistlichen Fürsten und Herren waren immer drückender geworden.
Die aufständischen Bauern forderten unter Berufung auf das Evangelium das göttliche Recht: Aufhebung der Leibeigenschaft, Milderung der Abgaben, gerechtes Gericht, freie Wahl der Pfarrer, Freiheit der Jagd und des Fischfanges.
In Franken standen die Bauern unter der Führung von Wendel Hipler, Friedrich Weigandt und Florian Geyer. Am 26. Mai 1524, dem Fronleichnamstag, stürmten die Bauern Kirche, Rathaus und Amtsgebäude in Forchheim. Kirchehrenbach, drei Kilometer nordöstlich von Gosberg gelegen, war einer der Hauptversammlungsorte der Aufständischen. Sie zerstörten Klöster und Burgen und viele Adlige flüchteten deshalb vom Land in die Stadt und suchten Schutz in der Festung Forchheim.
Nach anfänglichen Erfolgen der Bauern gelang es dem Schwäbischen Bund unter Georg Truchseß von Waldburg in einer Reihe blutiger Schlachten die schlecht bewaffneten und kriegsungeübten Bauern im Juni 1525 niederzuwerfen.
Der Ausgang dieses geschichtlichen Ereignisses entschied darüber, daß das Bauerntum für Jahrhunderte aus dem politischen Leben der Nation ausschied. Die eigentlichen Sieger im Bauernkrieg waren die Landesfürsten. Dem blutigen Kampf folgten überall harte Strafgerichte, noch größere Lasten und Abgaben der Bauern und eine weitere Festigung der Grundherrschaft in Deutschland.

3.3. Zweiter Markgräflerkrieg (1552/53)
Im Zweiten Markgräflerkrieg verwüstete Markgraf Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach ganz Franken. Am 13. Mai 1552 drang er in die Stadt Forchheim ein und ließ sie plündern. Die "Geißel Frankens", wie der Markgraf auch genannt wurde, verschonte auch das Schloß in Kunreuth (3 km südöstlich von Gosberg), das dem Stadtkommandanten Nikolaus von Egloffstein gehörte, nicht. Viele Ortseinwohner von Kunreuth wurden an Bäumen aufgehängt, erstochen oder erschlagen.
Als der Markgraf am 16. Mai 1553 einen erneuten Angriff auf Forchheim unternahm, wurde er zurückgeschlagen; die Stadt war damals schon sehr gut befestigt.

3.4 Dreißigjähriger Krieg (1618-1648)

In diesem Krieg werden in Deutschland die konfessionellen Gegensätze zwischen den Katholiken und den Protestanten sowie die machttpolitischen Gegensätze zwischen dem Kaiser und den Fürsten ausgetragen. Ferner spielen die Rivalität zwischen Frankreich und dem Haus Habsburg und das Streben Schwedens nach Vorherrschaft im Ostseeraum eine große Rolle. Dadurch wird Deutschland zum Kampfplatz der europäischen Mächte. Ausgelöst wird der Krieg durch den Aufstand der böhmischen Protestanten wegen der Verletzung des Majestätsbriefes von 1609 und durch den Fenstersturz des kaiserlichen Statthalters in Prag im Jahre 1618.
Die Kriegsführung damals war gewissermaßen eine gewerbliche. Die Soldaten, Landsknechte genannt, waren angeworbene Söldner, die nur auf Gewinn aus waren. Wer ihnen das meiste bot, dem verdingten sie sich. Üblicherweise heißt "meistbietend": skrupellos plündern, rauben, brennen und morden dürfen. Die Heere bestanden aus Landsknechten, die aus allen Teilen Europas kamen. Die überlebenden Soldaten reihte der Sieger sofort in seine eigene Armee ein. Von "Grund- oder Menschenrechten" war man noch weit entfernt. Mit dem "Augsburger Religionsfrieden von 1555" hatten die Landesherren und freien Städte das Recht erhalten, die Konfession ihres Landes zu bestimmen (Cuius regio - eius religio: Wem das Land gehört, der bestimmt die Religion). Damit war die ländliche Bevölkerung bis in die persönlichsten Belange hinein abhängig geworden.
Die Stadtgeschichte Forchheim berichtet, wie es bei uns während des Dreißigjährigen Krieges aussah:
"1632, 18/28. Februar: Der schwedische Oberst Hatsver, der Höchstadt a. d. Aisch belagert, kommt mit einer Abteilung nach Forchheim, vertreibt die an der Regnitz lagernde Besatzung und zündet mit Pechkränzen die Holzjoche der Brücke an.
1632, 8./9. März: Auf seinem Marsch gegen Bamberg mit 20.000 Mann weilt Feldmarschall Tilly in Forchheim, wo er mit dem dahin geflohenen Bischof Georg II. Fuchs von Dornheim verhandelt. Hunderte von Bürgern sterben vor Hunger und an der Pest.
1632, 29. September: Albrecht von Wallenstein lagert bei Kersbach/Gosberg und empfängt Forchheimer Ratsherren.
1632, 1. Oktober: Wallenstein besucht Kurfürst Maximilian, der sich einige Tage im Schloß in Forchheim aufhält.
1632-1634: Belagerung der Festung durch die Schweden.
1633: Forchheim ist Sitz der Regierung. Die Belagerung dauert über sieben Monate.
17. Juni 1634: Der Feind erscheint mit 2.200 Mann vor den Mauern." (5)
Die Schweden senden am 25. Juni 1634 einen Boten nach Forchheim der verkündet, daß sie Forchheim und das umliegende Gebiet abbrennen wollen. Die Forchheimer schicken ihn mit der Botschaft zurück, daß sie sich bis zum letzten Mann verteidigen und wehren würden, und daß sie zum Löschen der Brände noch immer genügend Wein und Bier hätten. Daraufhin zünden die Schweden neun Dörfer in der Umgebung an. Die Dorfbewohner, die sie auffinden, werden gefoltert und umgebracht. Bauern, die sich in den nahen Wäldern versteckt halten, sind vor ihnen auch nicht sicher. Sie werden gehetzt und gejagt wie Tiere. Da die Forchheimer Besatzung sich erfolgreich gegen die Angriffe der Schweden verteidigt und diese mit ihren Geschützen gegen die starken Befestigungsmauern nichts auszurichten vermögen, versuchen die Schweden, sich auf andere Weise der Stadt Forchheim zu bemächtigen. Sie wollen den Forchheimern das Wasser abgraben; und so bauen sie ein neues Flußbett für die Wiesent. Dabei müssen die Bauern, die sie aus den umliegenden Dörfern zusammentreiben, mithelfen. Das Vorhaben aber bleibt erfolglos. Dieser Graben, der an den Gosberger Flur grenzt, heißt noch heute der "Schwedengraben". Ein Gosberger Flurbezirk in der Nähe Forchheims, erinnert auch an die Schweden und den Dreißigjährigen Krieg: die "Pulverwiesen". Dort lagerten die Schweden ihr Pulver und ihre Munition.
Am 14. August 1634 brechen die Schweden ihre Belagerung ab. Zuvor zünden sie ihre Lager an und vernichten das Getreide, das sie nicht mitführen können.
Das Ende des Dreißigjährigen Krieges sah so aus, daß "bei allen Machtverschiebungen und Verlusten, trotz gelegentlichen Zwangs zu überstürzter Flucht auch aus Schlössern und Residenzen, die Leidtragenden und Verlierer des Krieges die Menschen waren, die aktiv und passiv in das Kriegsgeschehen hineingerissen wurden. Nur wenige Landstrichte blieben von jeglichen Truppendurchzügen und Einquartierungen verschont, was nicht selten schlimmere Heimsuchungen waren als die Winterquartiere - man führte damals möglichst nur im Sommer Kriege und suchte seine Söldner in Gegenden zu überwintern, die noch nicht gänzlich ausgesogen waren.
Um sich das richtige Bild von dem Grauen zu machen, muß man auch die Tatsache einbeziehen, daß der Stand der Information von uns aus gesehen vorsintflutlich war. Die Ereignisse rannten meist vor den Nachrichten her; die vom Krieg überrollten wußten oft nicht einmal von seinem Ausbruch, viel weniger kannten sie die Gründe davon oder konnten die über die Herfallenden als "Freund" oder "Feind" ausmachen. Die Überflutung eines Gebietes durch Truppen kam fast einer Naturkatastrophe gleich. Not und Tod waren die wahren Herrscher und Sieger." (6)
Unvergleichlich und unvorstellbar waren die Verwüstungen, vor allem auf dem flachen Land. Die Verluste der Bevölkerung betrugen in den Städten 33 Prozent, auf dem Land im Durchschnitt 40 Prozent, strichweise sogar 70 Prozent, das heißt, daß etwa nur ein Drittel der Bevölkerung in den Gebieten, die am meisten betroffen wurden, überlebte. Die Bauern waren am härtesten getroffen. Rund hundert Jahre dauerte es, bis die Bevölkerungszahl vom Jahre 1620 (16 Millionen) wieder erreicht war.

3.5. Siebenjähriger Krieg (1756-1763)
Großbritannien schloß zum Schutze seiner hannoverschen Besitzungen ein Bündnis mit Preußen. darüber verärgert, verbündete sich Frankreich mit Österreich. (tm)sterreich hoffte nun, durch dieses Bündnis gestärkt, die im Ersten und Zweiten Schlesischen Krieg an Preußen verlorenen Gebiete wiedererobern zu können. 1756 brach daher der Krieg zwischen Preußen und Östereich aus. Preußische Freikorps fielen im Juni 1757, im Mai 1758, im Mai 1759 und im November und Dezember 1762 in das Hochstift Bamberg ein. Raubend und mordend durchzogen sie die Ortschaften der Ämter Forchheim und Neunkirchen. Schlimm wüteten sie in Gosberg, Pinzberg, Kirchehrenbach, Poxdorf und Effeltrich. In Kersbach nahmen sie den Geistlichen gefangen und umgaben das Dorf mit Strohballen, um es leichter anzünden zu können, falls die Dorfbewohner ihnen feindlich entgegentreten würden.
Auf Drängen des Volkes ließ der Fürstbischof Waffen und Munition im Amte Forchheim verteilen. Aber das in ganz kurzer Zeit aufgestellte Landsturmheer konnte gegen die preußischen Truppen nichts ausrichten.
Die feindlichen Soldaten verließen jedoch am 23. Juni 1757 das Gebiet des Fürstbistums Bamberg. In den folgenden Jahren durchzogen aber noch mehrere Male preußische Heere unser Land. Dabei lagerten ihre Truppen in der Nähe des Gosberger Flures in Richtung Wiesenthau. Unter ihnen hatte vor allem Gosberg schwer zu leiden. Ständig wurde die Landbevölkerung von Plünderungen und Brandschatzungen heimgesucht, die aber nicht nur die Feinde, sondern auch eigene Truppen durchführten. Die Festung Forchheim blieb von den Preußen verschont. 1762 traten sie den Rückzug an und Friede kehrte wieder im Lande ein.
Die Friedensschlüsse dieses weltweiten Krieges festigten Preußens Rolle als Großmacht vor allem gegenüber Österreich und bestätigten seine Erwerbungen in den Schlesischen Kriegen.

3.6. Napoleonische Kriege
Zwischen den alten Monarchien und der neugebildeten Französischen Republik brach 1792 ein Krieg aus. Er wurde als Kampf um die Existenz der französischen Nation und um die Rheingrenze geführt. Die Franzosen drangen 1796 bis in unsere Gegend vor. Am 5. August zog der französische General Ney in Forchheim ein. Er hatte zuvor vom Stadtkommandanten die Festungsschlüssel erhalten. General Lefebre kam am 8. August in die Stadt und nahm als Stadtkommandant im Oberamtshaus Quartier. Tags darauf zogen die Franzosen wieder ab, nachdem sie in der Stadt übel gehaust hatten.
Nach der Niederlage der Franzosen in der Oberpfalz setzten sich Ende August 1796 französische Truppen erneut in Forchheim fest. Ihren Rückzug versuchten sie durch das Abbrennen der Papiermühle, des Schießhauses an der Regnitz und der Zerstörung der Wiesentbrücke zu decken.
Einige Jahre später kehrten die Franzosen in die Forchheimer Gegend zurück und das französische Corps von Augereau nahm am 12. Dezember 1800 Forchheim ein. Im Jahre 1801 wurde mit dem Friedensschluß zu Luneville der Krieg beendet; und die Franzosen verließen am 15. April 1801 die Stadt und das Forchheimer Land.
Durch die Säkularisation des Hochstiftes Bamberg von 1802/03 war der Übergang der Stadt Forchheim an Bayern bedingt. Die Vogtei- und Kastenämter von Forchheim und Neunkirchen wurden nun Landgerichte und Rentämter.
Am 5. September 1802 rückten bayerische Truppen in Forchheim ein. Eine Kompanie vom Regiment Morawitzky blieb als Besatzung in der Festung. Das Hochstift mit der Stadt Forchheim gehörte nun zur "Bayerischen Provinz Bamberg".
Im Jahre 1805 schlossen sich die süddeutschen Staaten an Napoleon an und das französisch-bayerische Heer schlug 1805 die kaiserlich-österreichischen Truppen. Im Frieden von Preßburg wurde Bayern zum Königreich erhoben.
Gewaltige Truppenmassen wälzten sich Anfang Oktober 1806 von Süden über Forchheim nach Bamberg und ins obere Maingebiet, als Napoleon 200.000 Mann in Franken zusammenziehen ließ. Fünf Tage lang marschierten 100.000 Soldaten durch das Regnitztal. Preußen forderte Frankreich erfolglos auf, die besetzten Gebiete Deutschlands zu räumen. Daraufhin begann der Krieg zwischen Frankreich und Preußen. Nach vielen Feldzügen und Kämpfen wurden die Franzosen 1813/14 in den deutschen Befreiungskriegen entscheidend geschlagen. Napoleon zog sich nach Frankreich zurück.

3.7. Erster Weltkrieg (1914-1918)

Die imperialistische Machtpolitik der Großmächte und ein übersteigerter Nationalismus führen zum Ersten Weltkrieg. Die Spannungen auf dem Balkan lösen ihn aus. Obwohl keine der Großmächten den Krieg will, "schlittern" sie hinein. Der Krieg wird nicht nur in Europa geführt, sondern auch in den Kolonien und auf den Ozeanen. Nach und nach treten fast alle Staaten der Erde in den Krieg ein. Er dauert länger als erwartet und fordert den Einsatz aller Mittel heraus. Am 1. August 1914 macht Deutschland mobil und erklärt Rußland den Krieg.
Am 9. August 1914 sind bereits 27 Gosberger Männer in den Krieg gezogen. Bis zum 6. März 1915 gehen die Meldungen ein, daß sechs Soldaten tot sind und zwei vermißt werden. Die ersten sechs Toten sind: Wolfgang Lassner, Andreas Roppelt, Maurer, Haus Nr. 37 1/2, Johann Roth, Unteroffizier, Haus Nr. 59, Johann Schuster, Fabrikarbeiter, Johann Messingschlager, Baptist Weisel, Bauernsohn, Haus Nr.43. Vermißt werden: Jakob Brütting, Dienstknecht beim Wirt und Georg Leuker, Haus Nr 18. (Er wird später als gefallen gemeldet.)
Johann Henglein (+1925), ein Gosberger Bauer, berichtet in seinen Aufzeichnungen folgendes:
"Es sind bis jetzt schon eine Million Gefangene im Land; Franzosen, Russen, Engländer und Belgier. Es wird viel gebetet und Buße getan. Weder im Osten noch im Westen kommt unser tapferes Heer weiter. Die deutschen Bischöfe haben schon im Januar 1915, am 7., 8., 9. und 10. Buß- und Bettage angeordnet. Am 7. Februar hatte seine Heiligkeit Papst Benedikt XV. einen Buß-, Bet- und Ablaßtag angeordnet.
England will das deutsche Volk aushungern. Deshalb hat Deutschland alle Getreidevorräte beschlagnahmen lassen. Wir bekommen im Monat nur 18 Pfund Korn. Das wird für uns nicht ausreichen. Was wird uns wohl die Zukunft bringen?" (7)
Auch Brot und Mehl müssen rationiert werden. Auf eine Person entfallen je 200 Gramm. Die Bauern erhalten pro Zentner Mehl, das beschlagnahmt wird, 12,30 Mark. In den Städten und auf den Dörfern verteilt man Lebensmittelkarten.
Am 11. April 1915 fällt schon wieder ein Gosberger Soldat, nämlich Peter Stöhr, Haus Nr 51. Eine schlechte Ernte ist in Gosberg in diesem Jahr vorauszusehen und es besteht keine Aussicht auf ein Ende des Krieges. 1916 ist die Ernte im Dorf ertragsreicher. Kartoffeln werden zwar nicht in der Menge geerntet wie in der Vorkriegszeit, aber dafür gibt es sehr viel Obst, besonders Äpfel. Den Bauern geht es trotz der Rationierungen besser als den Menschen in der Stadt. Die Bauern können von ihren eigenen Erzeugnissen leben, die sie teilweise auch verkaufen.
Ein Zentner Kraut kosten 4,20 Mark,
" " Kartoffeln 4,00 Mark,
" " Gerste 18,00 Mark,
" " Samenkorn 11,50 Mark und
Eier kosten pro Stück 15 Pfennige.
Am 17. Januar 1916 glauben die Dorfbewohner, der Krieg sei nun bald zu Ende; der König von Montenegro hatte um Frieden ersucht und sein Beispiel sollte auf alle kriegführenden Mächte wirken. Abends um sechs Uhr läuten daraufhin alle Glocken in unserem Dorf und die Bevölkerung ist voller Hoffnung. Doch der Krieg geht weiter.
Der Pfarrer setzt am Montag, den 19. Februar 1917 das Allerheiligste von 10 Uhr bis 17 Uhr zur Anbetung aus. Die Dorfbewohner beten um den Frieden in der Welt. Aber es dauert noch über ein Jahr, bis der ersehnte Waffenstillstand am 11. November 1918 im Wald von Compiegne geschlossen wird.
Der Erste Weltkrieg forderte von den Mittelmächten 3,2 Millionen Tote und sieben Millionen Verwundete; von den Alliierten 5,5 Millionen Tote und 13,8 Millionen Verwundete.
Die Leiden der Zivilbevölkerung durch Flucht, Hunger und Entbehrungen waren unermeßlich. Die direkten Kriegskosten betrugen auf beiden Seiten rund 956 Milliarden Goldmark ohne Berücksichtigung der indirekten Verluste durch Produktionsausfälle und Inflation in und nach dem Krieg.
Aus dem Ersten Weltkrieg kamen nicht mehr heim:
Wolfgang Lassner *12.03.1892 +01.09.1914 bei Nancy
Andreas Roppelt *29.10.1889 +02.09.1914 bei Nancy
Joh. Messingschlager *22.01.1893 +02.10.1914 bei Soyecurt
Johann Roth *19.01.1891 +09.10.1914 im Feldlazarett Buxieres
Johann Schuster *20.11.1892 +05.11.1914 bei Lionville
Joh. Bapt. Weisel *14.09.1891 +14.12.1914 bei St. Michel
Georg Leuker *15.07.1894 +20.02.1915 bei Münster am Kleinkopf
Peter Stöhr *12.07.1892 +20.03.1915 bei Ostaverne
Konrad Eismann *24.01.1894 +10.05.1916 bei Verdun
Peter Schmeiser *12.02.1892 +18.08.1916 bei Somme
Alois Hollfelder *19.01.1896 +16.09.1916 bei Flers
Georg Henglein *20.05.1887 +05.10.1916 bei Kapaume
Friedrich Leuker *27.03.1894 +01.01.1917 bei Serre
Josef Frdr. Rothmann *25.11.1894 +08.05.1917 bei Fresnoy
Johann Roppel *21.10.1894 +23.06.1917 bei Arras
Willy Uttenreuther *20.07.1898 +16.08.1917 bei St. Julien
Konrad Spörl *28.10.1891 +27.10.1917 bei Westrosebeg
Jakob Brütting *09.01.1887 vermißt seit dem 15.08.1914 im Elsaß

3.8. Zweiter Weltkrieg (1939-1945)
Der Nationalsozialismus gelangt 1933 an die Herrschaft und errichtet die autoritäre Staatsform des "Dritten Reiches", das 1938 mit der Angliederung Österreichs als "Großdeutsches Reich" proklamiert wird. Die territorialen Ansprüche Hitlers führen infolge der Vergewaltigung der Tschechoslowakei und Polens zum Zweiten Weltkrieg.
Wie es in Gosberg vor dem Zweiten Weltkrieg und während des Krieges zuging, und was die Menschen hier erlebten und erlitten konnte ich von Gosberger Bürgern erfahren. (8)
Nach den Reichtagswahlen vom 5. März 1933 und dem Ermächtigungsgesetz, durch das die Regierung die gesetzgebende Gewalt erhält, setzt man in den deutschen Ländern Reichskommissare und in der Dörfern Ortsgruppenleiter der NSDAP, die von Hitler zur einzigen Partei erklärt worden war, ein. Alle Bereiche des Lebens sollen sich der nationalsozialistischen Ideologie unterordnen. Aus Angst vor der Partei und wegen Ungehorsams gegenüber der Partei kommt es 1933 in Gosberg zu folgenden Ereignissen.
Am 11. Juni 1933, dem Dreifaltigkeitssonntag, hält die katholische Gemeinde Gosberg ihre "Kränzeltag". Es findet ein feierlicher Gottesdienst und anschließend eine Prozession statt. Da ereignet sich etwas, das die älteren Einwohner bis heute nicht vergessen haben. Die Gemeinderäte, die bei Prozessionen bisher immer den Baldachin ("Himmel") trugen, wagen sich diesmal "wegen der Partei" nicht. Erst auf die Bitte von Pfarrer Schatz hin fassen sich vier Männer ein Herz und tragen ihn.
Auch am nächsten Vorfall läßt sich erkennen wie sich der Nationalsozialismus auswirkte. Bei der Prozession sind Häuser und Straßen festlich geschmückt. Georg Wiemann hängt an Stelle der geforderten Hakenkreuzfahne eine weiß-blaue Fahne aus dem Fenster. Wegen dieses "Delikts" wird er durch den Ortsgruppenleiter angezeigt und muß 30 Reichsmark Strafe zahlen.
An diesem Sonntag wird auch die "Hitlerlinde", die als Symbol für das tausendjährige Reich galt und vor das Haus von Josef Messingschlager (Haus Nr.53) gepflanzt worden war, "geweiht".
Am Nachmittag treffen sich die Bürger am Wegbrunnen. Lehrer Simon Friedel verteilt Hakenkreuzfähnchen und mit der Musikkapelle marschiert dann Groß und Klein zur "Hitlerlinde". Der Begrüßungsansprache von Stützpunktleiter Hans Eismann, Hs.-Nr. 5, folgt die Rede des Kreisleiters Dr. Ittermeier, der die Linde mit den Worten "Sieg, Heil" weiht. Dabei soll er folgendes gesagt haben: "Hier auf diesem schwarzen Boden wird sie keine Wurzeln schlagen können!" und "Der größte Gegener unserer Partei ist die Kirche, aber wir werden der schwarzen Brut schon kommen. Anschließend feiert die Gemeinde die Einweihung der Linde im Gasthaus Schuhmann. Nach dem Einmarsch der Amerikaner 1945 schlug man die "Hitlerlinde" um.
Zur Reichswehr (= 100.000 Mann Heer) werden 1934 Konrad Leuker und Georg Wölfel eingezogen. Als am 15. März 1935 die allgemeine Wehrpflicht eingeführt wird, müssen von Herbst desselben Jahres an die Gosberger Josef Schmitt, Haus Nr.23, Hans Roppelt und Baptist Stöhr, Haus Nr.13, Wehrdienst leisten. Das Wehrpflichtjahr verlängert man 1936 um zwei Jahre.
Am 1. September 1939 bricht der Zweite Weltkrieg aus. Etwa 14 Tage lang herrscht ein schreckliches Durcheinander. Kein Fahrplan funktioniert mehr richtig; jeden Tag ab 5.45 Uhr werden Sondermeldungen im Radio gesendet. Die ersten Truppen wurden bereits im August 1939 auf dem Forchheimer Bahnhof verladen. Die Gosberger Hans Hollfelder, Wolfgang Eismann, Georg Drummer, Andreas Preusch, Baptist Henglein und Johann Grau sind am 26. August an der Reihe. Ende August bekommt Bürgermeister Johann Stöhr, Haus Nr.41, der 1933 auf dem königlichen Platz in München auf den Führer Adolf Hitler vereidigt worden war, Stellungsbefehle, d. h. er muß, egal ob am Tag oder mitten in der Nacht, von Haus zu Haus laufen und die Männer informieren, die auf dem schnellsten Weg einzurücken haben.
Die deutschen Soldaten sind besonders an der Ostfront großen körperlichen Strapazen ausgesetzt. Bemerkenswert sind die Leistungen von Leonhard Wiemann und Josef Spörl, die Gewaltmärsche zurücklegen und 1941 nur 11 Kilometer von Moskau entfernt sind. Es gelingt der deutschen Wehrmacht aber nicht, die Hauptstadt Rußlands einzunehmen. Bei 52 Grad Kälte treten die Deutschen, unter ihnen auch die beiden Gosberger Soldaten, im Dezember (02. - 08.) 1941 den Rückzug an.
Im Frühjahr 1945 steht das Ende des Zeiten Weltkrieges bevor. Flugzeuge der amerikanischen Luftwaffe werfen Flugblätter ab, die deutsche Bevölkerung informieren, wie sie sich bei der Einnahme eines Dorfes verhalten Soll: weiße Tücher schwenken und "Ai sörrenda" (I surrender = ich ergebe mich) rufen.
Die Amerikaner sind nur noch einige Kilometer von unserem Dorf entfernt, als am Samstag, den 14. April 1945, gegen 21 Uhr der Messner Johann Georg Eismann und der damalige Bürgermeister Hans Schuster ein Altartuch an einer Fahnenstange auf dem Dachboden der Gosberger Kirche befestigen. Diese Fahne will man beim Einmarsch der Amerikaner als Zeichen der Ergebung aus dem Kirchturmfenster hängen. Während deutsche Soldaten, die sich vor dem Feind zurückziehen, durch das Dorf strömen, rollt der Messner die Fahne zusammen und versteckt sie.
In der Nacht bezieht deutsche Artillerie mit zwei Flakgeschützen (8,8 cm) an der Röthfuhre in Pinzberg, mit zwei Geschützen bei Steingraben am Kunreuther Berg und mit einer Batterie zwischen Pinzberg und Gaiganz Gefechtsstellung. Am Sonntagmorgen gegen 6 Uhr beschießen diese Geschütze den Feind auf der Langen Meile und im Raum Ebermannstadt. Der Gottesdienst um 9 Uhr fällt an diesem Sonntag in Gosberg aus.
Um die Mittagszeit nimmt amerikanische Artillerie von der Langen Meile aus Gosberg unter Feuer, da ein amerikanisches Beobachtungsflugzeug deutsche Truppen (Pferdegespanne mit leichten Kanonen) gemeldet hatte, die sich in Richtung Dobenreuth absetzten. Dabei werden zwei Personen, Georg Lohmüller und ein Saarländer, schwer verletzt.
Gegen 14 Uhr schickt der Messner nach Hans Schuster, der die weiße Fahne hinaushängen muß. Von der Kirchturmlaterne aus sieht er die Panzer der Amerikaner von Richtung Weilersbach nach Kirchehrenbach fahren. Kurz danach nehmen sie Wiesenthau ein. Versprengte deutsche Truppen, die durch Gosberg ziehen, verlangen unter Androhung, das Dorf zu beschießen, die Fahne wieder einzuholen. Kurz vor 17 Uhr hißt Georg Wiemann dann die Fahne zum zweitenmal. Genau um 17 Uhr, am 15. April 1945, wird Gosberg von amerikanischen Panzern besetzt. Mit vorgehaltenem Schnellfeuergewehr werden alle Häuser nach versteckten deutschen Soldaten durchsucht. Ganz plötzlich überfliegen zwei deutsche Düsenjäger Gosberg, werfen mehrere Bomben in der Nähe der amerikanischen Panzer ab, treffen aber dabei das Anwesen von Leuker und töten das 14jährige deutsche Flüchtlingsmädchen Fanny Kagermeier auf der Einfahrt zum Anwesen Gengler, Haus Nr.8. Bei der Weiterfahrt nach Pinzberg werden die Amerikaner von dem deutschen Flakgeschütz bei Pinzberg angegriffen. Die Amerikaner schießen zurück und machen das Geschütz bei der dritten Salve kampfunfähig.
Der zweite Weltkrieg endete 1945 mit dem völligen Zusammenbruch des Deutschen Reiches, der Besetzung ganz Deutschlands, der Abtrennung großer Reichsteile und der Vertreibung ihrer Bewohner. Einschließlich der Vermißten betrug die erschreckende Verlustbilanz 55 Millionen Menschen. Am schlimmsten betroffen waren:
Rußland mit 20 Millionen,
Polen mit 5,8 Millionen und
Deutschland mit 4,8 Millionen.
Der Wiederaufbau der zerstörten Städte und Dörfer und der durch Demontagen geschädigten Wirtschaft forderte von den Menschen bis dahin ungekannte Anstrengungen. Was in den Elendsjahren 1945-1948 trotz Hungerrationen allein durch Handarbeit und mit primitiven Mitteln fertiggebracht wurde, hat die Allgemeinheit heute fast wieder vergessen.
Im Land herrschte nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschland (07./08. Mai 1945) ein Chaos, das die Zustände am Ende des Dreißigjährigen Krieges noch übertraf. Die völlig zerschlagene Verwaltung wurde von der Gemeinde her wieder aufgebaut. Nach Gemeinde-, Kreis- und Landtagswahlen gab sich Bayern 194 eine Verfassung und nach der einschneidenden Währungsreform von 1948 machte der Wiederaufbau überall schnelle Fortschritte.
Die Gefallenen und Vermißten des Zweiten Weltkrieges:
Alois Mathe +11.04.1941 Bulgarien
Baptist Stöhr +16.08.1941 Kiew
Karl Roppelt +28.08.1941 Kiew
Joh. Bapt. Weisel +06.10.1941 Nastasjino
Andreas Kraus +28.11.1941 Tula
Willy Leuker +21.12.1942 Dänemark
Konrad Heilmann +14.05.1944 Polen
Willy Burkard +1.05.1944 Rußland
Andreas Preusch +01.09.1944 Le Nouvion
Josef Wölfel +13.10.1944 Rußland
Josef Messingschlager +22.02.1945 Italien
Hans Schneider +03.03.1945 Italien
Ludwig Schuhmann +21.03.1945 Pillau
Georg Leuker +25.03.1945 Am Rhein
Leonhard Henglein +Febr. 1948 (im Ural gefangen)
Georg Wöfel vermißt 09.02.1942 Welikiluki
Heinrich Stöhr vermißt 10.01.1943 Stalingrad
Georg Leuker vermißt 14.01.1944 Novogorod
Anton Stark vermißt 06.03.1944 Rußland
Johann Spörl vermißt August 1944 Rußland
Andreas Issing vermißt 11.01.1944 Polen
Georg Eismann vermißt 10.02.1945 Polen