|
Bräuche
Kirchweih
Das Kirchweihfest in
Gosberg fällt immer auf den dritten Sonntag im September. Bis
zum Jahr 1890 wurde es am "Herbst Quatember Sonntag" in
den folgenden 23 Jahren am dritten Sonntag im Oktober und auf Drängen
der Wirte und der Musikanten verlegte man die Kirchweih wieder auf
die alte Zeit.
Schon in der Woche vorher werden "brata. und runda Küchla"
gebacken. Die Kinder dürfen sie an Verwandte und Bekannte austragen.
Noch vor einigen Jahren wurde im Dorf ein "Maia" vor jedem
Wirtshaus aufgestellt. Die Burschen holten den Baum im Wald und
fuhren ihn mit geschmücktem Pferdegespann ins Dorf. Die Musikkapelle
begleitete die jungen Männer vom Ortseingang bis zum Wirtshaus
musikalisch zu ihren "Kerwaliedern". Beim Aufstellen des
Baumes halfen alle kräftig mit.
Nach der Kirchweihandacht am Sonntagnachmittag wurde die "Kerwa
ausgegraben". Ein Faß Bier, das in der Nacht versteckt
worden war, mußte von den Kerwaburschen gesucht werden. Wenn
sie es gefunden hatten, gab es ein großes Hallo und mit Musik
wurde es auf einem Schubkarren durch die Ortschaft gefahren. Die
Männer trugen weiße Schürzen und jeder von ihnen
hatte seinen Maßkrug dabei, denn das Faß wurde bereits
unterwegs angezapft.
Anschließend begann die Tanzveranstaltung für Jung und
Alt. Am Kirchweihmontag spielte die Musikkapelle "Küchla
und Eier zusammen". Die Musikanten marschierten von Haustüre
zu Haustüre, ließen Walzer, Polka, Dreher, Märsche
und VolksIieder erklingen und bekamen dafür von den Leuten
Kirchweihküchle in einen Huckelkorb, den ein Bursche trug,
während der "Kapellmeister" die Groschen mit einem
Hut einsammelte.
Zum "Betzenaustanzen" am Nachmittag holten die jungen
Männer die Mädchen von zuhause ab. Sie trafen sich vor
dem aufgestellten "Maia", wo ein Schäfer stand, der
einen aufgeputzten Betzen an der Leine hielt. Neben ihm befand sich
ein aufgezogener Wecker und eine geschmückte Rute. Die Paare
tanzten um den Schäfer und den Maibaum herum, und nach jedem
Tanz reichte der Bursche die Rute an das nächste Paar weiter.
Zwischen den einzelnen Tänzen sangen die jungen Männer
"Schnadahüpfla".
Den Betzen gewann das Paar, das beim Klingeln des Weckers die Rute
in der Hand hielt. Der Gewinner, der ein Faß Bier für
die anderen "Kerwaburschen" stiften mußte, bekam
drei "Extratouren", drei Tanzrunden für sich allein
und seine Partnerin.
Was für die jungen Leute das "Betzenaustanzen" war,
war für die ältere Generation das "Geißaustanzen".
Dabei giLng es ebenso lustig zu.
Der Dienstag war der Tag des "Betzenessens". Es wurde
aber der gewonnene "Betz" nicht wirklich verspeist, sondern
die im, Mädchen und Jungen trafen sich am Abend zu einem gemütliIchen
Kafffeekränzchen.
Am Ende der Woche wurde eine Flasche Bier als Symbol für die
Kirchweih "eingegraben". Die Männer "jammerten",
weinten und wuschen als Zeichen dafür, daß sie ihr ganzes
Geld bei der Kirchweih verbraucht hatten, ihre leeren Geldbeutel
im Bach aus. Den Brauch des "Betzenaustanzens" gibt es
heute in Gosberg nicht mehr. Am Kirchweihfest bieten Buden, Karussell
und Schaukel einen Anziehungspunkt für die Kinder. Die Erwachsenen
vergnügen sIch am Abend beim Kirchweihtanz. Aber die alten
Kirchweihlieder sind uns durch die ältere Generation erhalten
geblieben:
"Die Kerwa is kumma,
die Kerwa is do, holariareidio, holariareidio.
Die Altn, die brumma, die Junga senn froh, holariareidirideidio."
"Und heut in ocht Toch is die Kerwa vorbei, holari...
Do hom die altn Weiba die größt Wascherei, holari...."
Wallfahrten und Prozassionen
Jedes Jahr am Markustag (25. April) unternahmen früher
die Gosberger eine Wallfahrt nach Pinzberg zur Marienkapelle, um
den Segen Gottes für die Feldfrüchte zu erbitten. An den
Bittagen, den ersten drei Wochentagen vor Christi Himmelfahrt, begaben
sich die Gosberger nach Pinzberg in die Kapelle. Tags darauf kamen
die Pinzberger nach Gosberg in die Filialkirche und am dritten Tag
wallten Gosberger, Dobenreuther und Pinzberger in die Pfarrkirche
nach Pinzberg. Diese oben genannten Prozessionen finden heutzutage
nicht mehr statt.
Ein hoher Festtag im Jahr ist seit langem der Fronleichnamstag oder
wie er bei uns heißt der "Kränzltag". Am Tag
zuvor sammeln die Mädchen in Gärten und auf Wiesen die
schönsten BIumen, um Kränze daraus binden zu lassen. Am
"Kränzltag" gehen alle in ihrem "Feststaat"
mit der feierlichen Prozession. Der "Himmel" wird von
Gemeinderäten getragen, die vier Laternen und die Leuchter
von Mitgliedern der Bewässerungsgenossenschaft. Die kleinen
Mädchen streuen Blumen auf die Straße. Noch bis vor etwa
zehn Jahren wurde ein "Grasteppich" auf den Straßen,
über die die Prozession gehen sollte, ausgebreitet; das wird
jetzt wegen des starken Verkehrs nicht mehr gemacht. Die Mädchen
und Buben, die in diesem Jahr Erstkommunion gefeiert haben, dürfen
Heiligenfiguren, um die geflochtene Kränze zelegt werden, tragen.
An vier Altären, die alljährlich vor den Häusern
der Familien Johann Georg Eismann, Reinhold Messingschlager, Konrad
Schuhmann und Georg BrÜtting aufgestellt werden, beten und
singen die Gläubigen und der Priester spendet jedesmal den
Segen. Die letzte Station der Fronleichnamsprozession ist die Kirche.
Am Sonntag nach Fronleichnam begeht die "Kirchengemeinde den
Flurumgang. Die Gläubigen ziehen wieder in einer feierlichen
Prozession wie am "Kränzeltag" zu vier Altären.
Früher war der Flurumgang eine große Wallfahrt. Die Pinzberger,
die nach Gosberg wallten, traffen sich am Altar beim Gasthaus Schuhmann
mit den Gosbergern. Von hier aus ging es weiter die nächsten
Ortschaften Dobenreuth und Elsenberg, wo sich die dortigen Gläubigen
anschlossen und zusammen betend und singend in die Pfarrkirche nach
Pinzberg zogen.
Bis zum Ende der fünfziger Jahre unternahmen die Gosberger
am Dreifaltigkeitssonntag eine Fußwallfahrt nach Gößweinstein.
Sie wurde aber beim Antritt des neuen Pfarrers Franz Fiedler eingestellt,
da dieser die begehrte Pfarrverweserstelle in dem Wallfahrtsort
nicht bekam. Im Notizbuch IV der Volksschule Gosberg fand sich als
frühester schriftlicher Beleg für die Wallfahrt nach Gößweinstein
das Datum 12./13. Jlui 1893 (an diesem Tag fiel nämlich der
Untericht aus).
Auch zwei weitere Prozessionen
schaffte man ab: die Hagelfeierprozession am Donnerstag nach Fronleichnam
und die Wallfahrt zur Gosberger Wegkapelle an Mariä Geburt.
Die "Ewige Anbetung"
wird bei uns jedes Jahr am letzten Sonntag im November begangen.
Nach acht Betstunden in der Kirche ziehen die Gläubigen am
Abend in einer großen Lichterprozession durch die mit Heiligenfiguren
und Lichtern geschmückte Ortschaft. Eine Musikkapelle und die
Ortsvereine begleiten sie. Die "Ewige Anbetung" wurde
in früheren Zeiten einen Tag vor dem Fest des heiligen Andreas
(30.November), dem Kirchenpatron unnerer Kirche gehalten. Die Anbetung
des "Heiligsten Altarsakramentes" dauerte zehn Stunden
und jeder Ortsteil hatte dabei seinen eigenen Vorbeter.
Feste im Lebenskreis
Der Brautwagen:
Zu Großmutters Zeiten kam die Braut in einer Pferdekutsche
in das Dorf ihres Bräutigams. Vor ihr fuhr der mit zwei geputzten
und geschmückten Ochsen oder Pferden gezogene Braut- oder Kammerwagen.
Dahinter lief eine Kuh her, deren Hörner und Schwanz mit Bändern
"dekoriert" waren. Der Brautwagen war ein Leiterwagen,
an dem eine Stange für leichtere Haushaltsgeräte wie Besen
und Butterfaß angebunden war. Weißbrot, Weizenmehl,
Zucker und andere Lebensmittel befanden sich ganz unten im Kammerwagen;
darüber wurden Bretter genagelt. Der Brautwagenführer,
der eine weiße Schürze mit blauen und roten Schleifen
trug, mußte beim Schreiner die Möbel der Braut abholen.
Das Verladen der Möbel erfolgte so, daß links vorne auf
dem Wagen das Sofa, dahinter die Betten und daneben die Kinderwiege
standen. Auf dem Patenkissen lag ein nagelneues "Fransentüchla",
das die Patin der Braut bestickt hatte. Zur Aussteuer gehörten
auch Schränke, Kommode, Tisch, Stühle, Spinnrad, Schlüsselbord
und ein Wäschekorb, der gefüllt und mit bunten Maschen
zugebunden wurde. Unterwegs warf die Patin der Braut, die auf dem
Sofa saß, "Küchla" für die Dorfbewohner
aus. Die Braut in der Pferdekutsche, die von ihrem Vater begleitet
wurde, mußte vor dem Kammerwagen beim Haus ihres Bräutigams
eintreffen. Dort hatten sich bereits eine Menge Nachbarn eingefunden,
um das Schauspiel miterleben zu können.
Polterabend:
Einige Tage vor der Hochzeit kommen Arbeitskollegen und Bekannte
des Brautpaares, um zu poltern. Sie bringen oft riesige Kartons
mit altem Porzellan, Tellern und Flaschen mit und werfen alles unter
großem Lärmen vor die Haustüre der Braut. Das Brautpaar
muß die Scherben, die ihm Glück bringen sollen, zusammenkehren.
oft entleeren die Gäste die weggeräumten Glasscherben
noch einmal. Dann beginnt für die Brautleute die Arbeit von
vorne. Ihre Freunde, die außer Scherben auch Geschenke mitbringen,
werden zu einem Umtrunk eingeladen, der meistens bis in die frühen
Morgenstunden des nächsten Tages andauert.
Hochzeit:
Nach der kirchlichen Trauung warten die Ministranten vor der Kirchentür
mit einer gespannten Schnur und versperren dem Brautpaar damit den
Weg. Erst durch ein Geldgeschenk kann es sich den Weg freikaufen.
Aber gleich darauf wird es von einem Kinderschwarm umringt, der
sich erst aufzulösen beginnt, wenn der Bräutigam Geld
ausgeworfen hat. Das "Krabbeln" bereitet den Kindern großen
Spaß. Sie stürmen auf das Geld los und treten sich oft
gegenseitig auf die Hände, weil ein jedes am meisten ergattern
möchte.
Im Elternhaus der Braut oder in einem Gasthaus, in dem die Hochzeitsfeier
stattfindet, wird das BrautDaar mit einem Glas Wein empfangen. Der
Brauch will es, daß Braut und Bräutigam das Glas leeren
und es am Boden zerschlagen. Nach dem Festessen wird am Abend die
Braut von jungen Burschen "entführt". Der Bräutigam,
der sich sogleich auf die Suche macht, findet sie meistens in einem
Gasthaus eines Nachbarortes wieder.
Kindstaufe:
Wenn früher der "Gevatter" oder die "Gevatterin"
in die Stube trat und das Kleinkind überreicht bekam, empfing
er (sie) es mit den Worten: "Komm und geh in meine Hand, werd
groß und stark und niemals "KranK!"
Nach der Taufe in der Kirche wurde das Kind an die Altäre getragen
und die Gläubigen sangen: "Freuet euch von heute an an
diesem Freudentag, nehmt das Kind nit Freuden und denkt an keine
Plag!"
Dem Täufling steckte man einen kleinen Geldbeutel, der aus
bunter Seide genäht war und von jeder Münzsorte eine Münze
enthielt, in das Kissen, damit dem Kind niemals das Geld ausgehen
würde. Von der Taufe heimgekehrt, übergab der Pate der
Mutter das getaufte Kind mit den Worten: "Einen Heiden haben
wir fortgetragen, einen Christen bringen wir wieder".
An das Konfende der Wiege legte die Mutter eine Schere, damit die
"Trud" nicht Herr über das Kind würde. Unters
Kopfkissen steckte sie ein Gesangbuch, damit "der böse
Blick" keine Gewalt über es gewinnen konnte. Sah das Kind
runzelig aus, dann hatte es den "Altvater" und mußte
nach dem Brotbacken einen kurzen Augenblick in den Backofen eingeschlossen
werden. Solche Sitten erinnern uns an Aberglaube und heidnisches
Brauchtum.
Spinnen und Rockenstube
Die Bauern bauten früher bei uns sehr viel Hanf an. Zur Erntezeit
mähten sie ihn mit der Sichel ab, banden ihn zu Büscheln
und trockneten ihn meistens im Backofen. Vor dem Spinnen mußten
die harten Hanffasern mit Riffelwalzen weichgerieben und gehechelt
werden. Diesen Arbeitsgang nannte man "gschnappt" und
"gbrecht". Mit dem Spinnrad wurde der Hanf von Frauen
und Mädchen zu Garn und Zwirn gesponnen, mit dem man später
zerrissene Säcke stopfte. Aber nicht nur Hanf, sondern vor
allem auch Schafwolle wurde gesponnen. Die schmutzigen Schafe wusch
der Bauer im Bach und schor sie, wenn der Pelz trocken war. Die
Schafwolle wurde dann schön weiß gewaschen, getrocknet
und mit dem Spinnrad zu Wolle gesponnen. Daraus strickten die Bauersfrauen
Socken, Strümpfe und Handschuhe, die teilweise rosa, rot oder
blau eingefärbt wurden. Zum Spinnen trafen sich Frauen und
Mädchen mit ihren Spinnrocken in der großen Stube einer
Familie. Dann wurde etwa zwei Stunden lang gesponnen. Dabei erzählte
man sich die neuesten Dorfereignisse und Geschichten aus alten Zeiten.
Wenn die Burschen kamen, wurde getanzt und gesungen. Durch diesen
Brauch erhielt man der jungen Generation die alten Volkslieder und
Volkstänze.
Tracht für Alltag,und
Festtag
Nicht nur Sitten und
Gebräuche, die tief in der Eigenart des Volksstammes wurzeln,
haben sich in unsere Zeit hinübergerettet, sondern auch die
alten Volkstrachten, die leider immer mehr im Verschwinden begriffen
sind, werden in unserem Bezirk noch getragen. Die Tracht diente
früher der sozialen Unterscheidung. Die Verheirateen und Unverheirateten,
die Kinder und die Witwen repräsentierten damit die Gemeinschaft,
der sie sich zugehörig fühlten. Die Tracht in Gosberg
beschränkt sich heute ausschließlich auf die Frauentracht.
Hier wird sie aber auch nur noch von den älteren Bäuerinnen
getragen. Mit sozialen und wirtschaftlichen Ursachen ist der Verfall
und die Auflösung der alten Trachtenordnung zu begründen.
Die Tracht stuft man ein in Arbeits-, Sonntags-und Festtracht. Zur
Tracht, insbesondere zur Festtagstracht, gehören ein besticktes
Samtmieder (ein ärmelloses "Leibla"), das durch Kettchen
und Haken geschlossen wird, zwei bis drei Unterröcke, ein weißes
Leinen-oder Baumwollhemd, ein einfarbiger Rock in dunklen Farben,
wie rotbraun, tannengrün oder kobaltblau. Der Rock ist am Bund
in Falten gelegt und über dem Saum mit schwarzer Stoff-oder
Samtborte besetzt; er hat auch zwei Innentaschen. Auf die Schürze
aus Taft oder reiner Seide sind Bordürenspitzen und bunte Bindebänder
genäht. An Festtagen träg die Bäuerin einen schwarzen
Kittel, der im Winter aus Samt und im Sommer aus Seide besteht.
An Sonn- und Werktagen ist der Kittel meist gemustert oder einfarbig
blau, braun oder grün. Die "sunntägigen KopftÜchla"
sind schwarz, aber mit vielfältigen Blumenmustern bestickt
und an Festtagen haben sie lange Fransen. Bei der Arbeit trägt
die Frau ein gemustertes Leinenkopftuch. Es wird dreieckig gelegt,
über den Kopf "geworfen" und im Nacken gebunden.
Der eine Zipfel hängt über die rechte Achsel, der andere
über den Rücken. Kittel und SchÜrze sind an Werktager
gemustert. Bei feierlichen Anlässen wird das wollene oder seidene
Schultertuch mit zarten Blumenmustern und mit Fransen umgelegt.
Eine alte Gosberger Festtracht, die heute nicht mehr bei uns getragen
wird, entdeckte ich im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg.
Dio Großmutter von unserem "Beck" Albert Dürr
stiftete dem Museum diese Tracht. Besonders wertvoll ist die Brautkrone,
die auch der "Hohe Kranz" genannt wird. Sie wurde bei
der Hochzeit von der Braut und am Fronleichnamstag von Jungen Mädchen
bei der Prozession getragen. Die Krone ist etwa 25 cm hoch und besteht
aus einem Netzwerk von goldfarbenen Drähten. An diesen sind
Blättchen, Glasperlen und Rosetten befestigt. Die Krone trug
man über der Bänderhaube. Lange rote Bänder wurden
an den gepolsterten Reif gesteckt, eng um den Kopf gelegt und im
Nacken zu einer Schleife gebunden. Für den roten, grünen
oder blauen Faltenrock verwendete man schwere Stoffe und kostbare
Szitzen. 150-200 Falten mußten in den Rock eingebügelt
werden. Über das ärmellose "Leibla" trug man
die jacke (Wams). Eine reiche Bauersfrau konnte man schon an den
teuren Knöpfen aus Silberfiligran an ihren Wams erkennen. Um
den Hals wurde das "Ninderbindtüchla", aus bunter
Seide und mit schwarzen Spitzen besetzt, geschlungen. Ein buntseidenes
Schulteriuch ("Atlastüchla") mit Rosenmustern und
langen Fransen legte die Frau in Form einen Dreieckes über
das Wams, so daß ein Ende über den Rücken hinunterreichte,
während die beiden anderen Enden über der Brust gekreuz
und mit Nadeln befestigt waren. Die Tuchspitze im Rücken wurde,
wie mir meine Oma erzählte, mit einer hübschen Anstecknadel
in Form einer Taube festgesteckt, damit das seidene Schultertuch
nicht verrutschen konnte. Zur Tracht gehörte auch eine Schürze
aus Seide in verschiedenen Farben und Mustern. Die bunten Bindebänder
wurden vorne zu einer Masche gebunden. Die verheirateten Frauen
trugen ein rotes, an Festtagen ein weißes "Hörnertuch".
Es war so gebunden, daß die beiden über der Stirn geknüpften
Enden wie zwei Hörner vom Kopf abstanden.
|